Seit Dienstag dieser Woche hat die humanitäre Katastrophe einen neuen Namen. Haiti. Ein Erdbeben der Stärke 7.0 zerstört innerhalb von einer Minute Tausende Häuser und tötet zigtausende Menschen. Seither stapeln sich Leichen von Männern, Frauen und Kindern in den Straßen. Versorgung mit Wasser, Nahrungsmitteln und Strom, das Telekommunikationsnetz sind zusammen gebrochen. Das bitterarme Land hat zuwenig Hubschrauber und Einsatzfahrzeuge. Offizielle Einsatzkräfte wie Feuerwehr, Polizei oder Armee sind unvorhanden. Verwundete und Obdachlose irren durch die Straßen, Menschen versuchen, mit bloßen Händen Überlebende aus den Trümmern zu bergen.
Langsam läuft nun internationale Hilfe an. Präsident Obama hat in einer ersten Reaktion 100 Millionen US$ humanitäre Hilfe zugesagt und schickt vier Schiffe, darunter einen Helikopterträger und ein Hospitalschiff, aus Deutschland kommen 1,5 Millionen Euro, 3 Millionen aus Spanien und 2 Millionen aus Holland.
Und die Europäische Kommission? Herrin über einen jährlichen Haushalt von 133,8 Milliarden Euro? Sie verkündet auf ihrer Homepage stolz:
"Die Europäische Kommission hat sofort reagiert, um den Opfern des Erdbebens, das Haiti getroffen hat, zu helfen, und hat eine Eilentscheidung oberster Dringlichkeitsstufe getroffen, um €3 Millionen für sofortige Hilfsmaßnahmen zu Verfügung zu stellen."
Man erinnere sich: Die Kommission wollte die Gehälter der EU-Beamten für 2010 um 3,7 % erhöhen, Kosten lt. Angaben der Kommission 147 Millionen Euro, die deutsche EU-Parlamentarierin Inge Gräßle (CDU) geht von 220 Millionen aus.
http://www.focus.de/politik/deutschland/eu-beamtengehaelter-erhoehung-koennte-steuerzahler-millionen-kosten_aid_468778.html
Die Mitgliedstaaten sagten darauf hin, die Hälfte reiche auch, die andere Hälfte dann im Sommer, wenn die Krise vorbei wäre. Darauf klagte nun die Kommission die Mitgliedstaaten vor dem EuGH und Experten sagen, sie wird gewinnen. 3 Millionen für Haiti, 220 Millionen für die eigenen Beamten. Würde jeder im Land Salzburg lebende Mensch sechs Euro spenden, Salzburg alleine könnte die Hilfe der Europäischen Kommission verdoppeln. Ich bin nach wie vor stolz darauf Europäer zu sein, und ich glaube an die EU. Nur diese Zahlen lassen einen nachdenklich werden, ob das rechte Maß nicht verloren gegangen ist.
Freitag, 15. Januar 2010
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